Posted by on Sep 9, 2012 in Sonstiges | Keine Kommentare

Vorab Information: Der Cinemizer Oled ist die Neuauflage des unter dem Namen Cinemizer bekannten Gerätes, das Bildmaterial aus unterschiedlichen Quellen in einer Multimediabrille darstellt. Zeiss unterstreicht im Gegensatz zum Vorgänger explizit die Kamera Viewfinder Fähigkeiten. Doch ob er einem echten professionellen Viewfinder gerecht wird, darf ob der vielen angepriesenen Einsatzmöglichkeiten wie Gaming, 3D Visualisierung, Drohnensteuerung und Ablenkung beim Zahnarzt, bezweifelt werden. Aber wer würde sich nicht die Bewegungsfreiheit zum Beispiel bei einem Livedreh eines Konzertes trotz einiger Abstriche erkaufen wollen?

1. Einleitung:

Im Herbst 2011 begann ich ein schwieriges Projekt zu drehen im Zuge dessen ich mir einen Zacuto ZFinder zulegte mit einer 2.5 fachen Vergrößerung. Elegant, klein, robust und durch die Vergrößerung und Peaking Funktion eine echte Hilfe beim fokussieren. Auch über ein Steady Rig habe ich nachgedacht. Selbst die niedrigpreisigen Steady Rigs machen einen guten Job, doch muss man auf die Dienste einen Viewfinders mit Linsenvergrößerung verzichten. Schon damals dachte ich mir, wie fantastisch die Möglichkeiten wohl mit einem Viewfinder direkt vor meinen Augen wäre.

Mir fiel ein Artikel über den damals schon betagten CINEMIZER von Zeiss in die Hände. Ein Gerät wie aus besten 80er Science Fiction Filmen. Eine Brille mit eingebauten Bildschirmen, die sogar 3D Features besitzt. Kurzum bestellte ich mir die Neuauflage, die durch Oled Technik einen Evolutionsschub in Sachen Kontrast, Farben und Schärfe verspricht. Ich schreibe hierzu einen kleinen Bericht meiner Eindrücke, der vielleicht dem einen oder anderen Klarheit in der Frage bringt, ob so eine Multimedia Brille den klassischen Viewfinder ersetzen kann.

2. Technik

Wie im “Vorab” bereits erwähnt, rührt Zeiss die Werbetrommel auch für Kameramänner. In diesem Zusammenhang ist der Umstieg auf OLED Technik in Sachen, Schärfe, Kontrast und Farbspektrum begrüßenswert und weckt die Hoffnung auf ein brauchbares Gerät. Allein die Farbtiefendarstellung in 24bit deutet an, was die Bildschirme drauf haben. Die Tatsache, daß aber auf eine native HD Auflösung zugunsten einem 870 × 500 Pixel Verhältnis verzichtet wurde, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Schärfe und Detailgrad dürften darunter leiden. Doch zumindest ist es ein kleiner Fortschritt gegenüber des Vorgängers mit seiner 640×480 Auflösung.

2. Auspacken

CINEMIZER Oled Verpackung und ZubehoerZeiss packt ein paar nicht unerhebliche Kleinigkeiten mit obendrauf: Ohrhörer, Analog Videokabel, ein HDMI weiblich auf klein HDMI Adapter männlich, eine HDMI Einheit die bereits mit der Haupteinheit verbunden ist und last but not least ein überaus praktisches Etui aus Hartplastik, in dem alles Platz findet. Das Gerät an sich wirkt wertig, ist aber trotzdem nicht zu schwer und unhandlich für seine Aufgaben. Alles in allem entbehrt die Brille nicht eines gewissen Charmes, der zwischen Superhero und alberner Sonnenbrille chargiert. Ungewohnt ist sie dem Träger wie dem Betrachter zunächst in jedem Fall.

3. AnschlussCINEMIZER Oled Einstellbuegel

Positiv ist der relativ gute Komfort. Der Cinemizer kann anhand verschiebbarer Bügel an Kopf- und Ohrform angepasst werden.  Der Akku ist ziemlich schnell (in ca 3 Stunden) aufgeladen. Doch liegt nur ein USB Kabel und kein Netzstecker bei. Den klassischen Stromstecker, sucht man vergebens. Zeiss geht davon aus, daß man den CINEMZIER entweder am USB Eingang des  Computers oder anderen Peripheriegeräten auflädt. Ich habe mein iPhone Netzgerät  verwendet. Etwas irritiert ist man auch vom Kabelsalat, der in meinen Augen ein wenig den Eindruck der Praktikabilität trübt. Denn leider ist der Akku und die Bedientasten für Einstellungen, Lautstärke und Signal Quelle usw. nicht kompakt in die Brille selbst, sondern in ein kleines Plastikkästchen integriert, das über ein Verbindungskabel verbunden ist. Das Kabel führt in den rechten Ohrbügel der Brille und sorgt allen Bedenken zum trotz für keine Instabilitäten auf der Nase. Zeiss hat sich hier für ein System aus Modulen entschieden, die man aufstecken kann. Bei wechselnden Anwendungsgebieten, braucht man jeweils ein neues Modul. Zur Zeit gibt es allerdings nur zwei. Ein iPhone Modul für Videos und ein HDMI Modul, um andere Quellen wie DVD oder Kamera Signale zu übertragen. Letzteres ist im Lieferumfang enthalten. Ein einziges kompaktes Gerät in dem alles enthalten ist ohne zusätzlichen Nachkauf, hätte dem Konzept allerdings auch nicht schlecht gestanden. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

4. Betrieb

CINEMIZER OledDer Anschluß an meine 5D Mark II verläuft dankt bereits aufgestecktem HDMI Modul und beigelegten DMHI Adapter reibungslos. Einmal eingesteckt, schaltet der CINEMZIER auf “Auto Adjust” und liefert ein störungsfreies Bild. Die Brille dichtet nicht komplett ab, man kann also noch genug sehen. Die Motiv- und Einstellungssuche funktioniert ohne Stolperer und erstaunlich gut. Ist die Sicht durch die Kamera selbst nicht eindeutig, hebt man einfach den Kopf ein wenig an und lugt so unter der Brille hindurch und verschafft sich Klarheit. Das Freiheitsgefühl macht Spaß und der Nutzen leuchtet sofort ein. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Der Cinemizer kann sein Potential nicht ausschöpfen. Und das liegt an seinen Oled Monitoren und fehlenden Funktionsumfang. Die Farben sind zwar kontrastreich, fallen aber deutlich zu Blau aus. Es gibt keine Möglichkeit die Farbwiedergabe anzugleichen. Doch viel gravierender: Das Bild ist letztendlich zu klein und wirkt weit entfernt. Als stünde man zwei oder drei Meter von einem 30 – 40 Zoll großen Monitor entfernt. Die Multimediabrille bietet zwar eine Zoomfunktion, doch auch hier patzt der CINEMIZER. Erstens gilt diese Vergrößerung nur für das Bild, holt den Monitor also nicht näher heran und zweitens löst die Darstellung leider nicht stabil auf. Sie zittert und wackelt, als gäbe es Probleme bei der Skalierung, hier muss Zeiss softwaremäßig nachliefern, sonst ist die Zoomfunktion schlicht unbrauchbar. Durch das Fehlen von Einstellhilfen wie Peaking wird die Wahl des richtigen Schärfepunktes zum Ratespiel und dieser Fakt ist für die meisten wie auch für mich das K.O.-Kriterium des CINEMZIER Oled. Zur Veranschaulichung habe ich mich bemüht die gefühlten Größenverhältnisse im Vergleich zum ZFinder abzubilden.

Obwohl es eigentlich nahezu unmöglich ist die Größenverhältnisse der jeweiligen Viewfinder abzubilden, habe ich mich bemüht – ohne jede Gewähr auf Richtigkeit -  die gefühlten Verhältnisse grafisch darzustellen.

 

5. Fazit

Eine vertane Chance! Eine maßgeschneiderte Lösung ob der vielen angepriesenen Einsatzgebiete wie Gaming, 3D Visualisierung, Viewfinder und – allen ernstes – Ablenkung beim Zahnarzt, war zwar nicht zu erwarten, trotzdem kann ich meine Enttäuschung nicht verbergen. Ich habe Vorberichte (von Fotografen) gelesen, die den CINEMIZER geradezu als die ultimative Waffe in Sachen Viewfinding anpriesen. Ich hingegen kann mich dem nicht anschließen. In diesem Video habe ich den Schlusszoom aus dem Auge des Darstellers heraus mit einem ZFinder realisiert, mit einem CINEMZIER wäre das schlicht unmöglich gewesen  (“Weiss” Animatonsfilm). Aus professioneller Sicht ist das Gerät für einen Filmer, brutal gesagt ein Totalausfall. Ein Hobbyfilmer hätte vielleicht Spaß an den sich bietenden neuen Möglichkeiten. Für die Schärfefindung können Fotografen auf das Pixel to Pixel Verfahren zurückgreifen. Ich bezweifle aber, ob sich die nicht gerade niedrige Investition von 600 EUR lohnen würde. Smartphone oder Tablet APPs, die die Kameras steuern, drängen mehr und mehr auf den Markt und bieten die gleichen Vorzüge nebst direkter und bequemer Kontrolle.

Für Filmer gilt: solange perfekter Autofokus Zukunftsmusik ist, sich das Motiv bewegt, oder die Kamera bewegt werden muss, kann man mit dem CINEMIZER nur noch den reinen Bildausschnitt beurteilen. Vergleiche mit Profigeräten wie dem Zacuto ZFinder verbieten sich an dieser Stelle. Das ist wirklich schade, wenn man bedenkt, welche Chancen sich durch direkt vor die Augen angebrachte Monitore ergeben hätten. Bleibt uns nur die Hoffnung auf die Neuauflage der Neuauflage oder daß ein anderer Anbieter hier Chancen erkennt und uns ein ausgereifteres Produkt beschert. Dafür würde ich sogar etwas mehr Geld in die Hand nehmen, denn das Gefühl der Freiheiten in der Kameraführung ohne den Blick auf einen externen Monitor, ohne störenden Lichteinfall hat mich absolut überzeugt.

Links:

Offizielle Zeiss Produktbewerbung

Zeiss auf der Photokina 2012